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Souveräner Speicher

Digitale Souveränität: Wie die Definition der Bundesregierung die IT-Strategie 2025 prägt

30.10.2025

10

Minutes
Christian Kaul
CEO Impossible Cloud
Eine Analyse der staatlichen Vorgaben zur digitalen Souveränität und was sie für die Datensicherheit und Cloud-Wahl deutscher Unternehmen bedeuten.

Die Debatte um digitale Souveränität hat die strategische Ebene erreicht. Laut Definition der Bundesregierung beschreibt sie die Fähigkeit von Institutionen, ihre Rolle in der digitalen Welt selbstständig, selbstbestimmt und sicher auszuüben. Dieses Ziel, verankert im Koalitionsvertrag, ist mehr als ein politisches Statement; es ist eine direkte Handlungsaufforderung an deutsche Unternehmen, ihre technologischen Abhängigkeiten zu reduzieren. Angesichts von Gesetzen wie dem US CLOUD Act wird die Wahl des Cloud-Anbieters zu einer strategischen Entscheidung über die Hoheit der eigenen Daten. Für über 70 % der deutschen IT-Entscheider sind EU-Datenresidenz und DSGVO-Konformität bereits heute zentrale Kriterien. Eine souveräne Cloud-Infrastruktur, die auf europäischen Werten und Rechtsräumen basiert, wird so vom Kostenfaktor zum Wettbewerbsvorteil.

Schlüsselpunkte

  • Die Definition der Bundesregierung für digitale Souveränität fordert die selbstbestimmte Kontrolle über Daten und IT-Systeme, was durch Gesetze wie den US CLOUD Act bei außereuropäischen Anbietern gefährdet wird.
  • Wahre Souveränität in der Cloud basiert auf einer Kombination aus EU-exklusiven Rechenzentren, starker Verschlüsselung, unveränderlichem Speicher (Object Lock) und einem transparenten Kostenmodell ohne Egress-Gebühren.
  • Für MSPs und Unternehmen ist die Nutzung einer S3-kompatiblen, europäischen Cloud-Alternative der Schlüssel, um DSGVO-Compliance zu gewährleisten, Kosten vorhersehbar zu machen und einen technologischen Vendor-Lock-in zu vermeiden.

Die offizielle Definition der Bundesregierung verstehen

Die Bundesregierung fasst unter dem Begriff der digitalen Souveränität die Fähigkeit zusammen, digitale Systeme, Prozesse und Daten selbstbestimmt zu gestalten und zu kontrollieren. Dies ist keine Forderung nach digitaler Autarkie, sondern nach bewusster Steuerung und der Reduzierung kritischer Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern. Im Kern geht es um die Gewährleistung von drei zentralen Säulen, die zusammen die Handlungsfähigkeit des Staates und der Wirtschaft sichern. Diese Säulen bilden den Rahmen für eine sichere digitale Zukunft.

Die Umsetzung erfordert eine Architektur, die auf offenen Standards und Interoperabilität basiert, um einen Anbieterwechsel jederzeit zu ermöglichen. Die strategische Ausrichtung des IT-Budgets auf nachhaltige und vertrauenswürdige Infrastrukturen ist dabei ein zentraler Hebel. Für Unternehmen bedeutet dies, bei der Auswahl von Cloud-Diensten genau zu prüfen, inwieweit Anbieter die Anforderungen an kritische Infrastrukturen erfüllen. Diese Definition hat direkte Konsequenzen für die Auswahl von Cloud-Partnern.

Warum US-Hyperscaler eine Souveränitätslücke darstellen

Die Nutzung von Cloud-Diensten außereuropäischer Anbieter birgt inhärente Risiken für die digitale Souveränität, wie sie von der Bundesregierung gefordert wird. Gesetze wie der US CLOUD Act ermöglichen US-Behörden den Zugriff auf Daten, die von US-Unternehmen gespeichert werden, unabhängig vom physischen Speicherort der Server. Dies schafft eine direkte Kollision mit den Prinzipien der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die für 99 % aller deutschen Unternehmen verbindlich ist. Dieser Rechtskonflikt führt zu einer erheblichen Unsicherheit für Unternehmen, die sensible Daten verarbeiten.

Die Risiken, die aus dieser Konstellation entstehen, sind vielfältig und betreffen den Kern der unternehmerischen Datenhoheit. Hier sind vier zentrale Gefahren:

  • Datenzugriff durch ausländische Behörden ohne europäischen Rechtsbeistand.
  • Verletzung der DSGVO-Rechenschaftspflichten mit Bußgeldern von bis zu 4 % des Jahresumsatzes.
  • Verlust der Kontrolle über geschäftskritische Informationen und geistiges Eigentum.
  • Rechtsunsicherheit in regulierten Branchen wie dem Finanz- oder Gesundheitswesen.

Ein Schutz vor Wirtschaftsspionage wird unter diesen Umständen erheblich erschwert. Die Lösung liegt in einer Architektur, die Souveränität technisch und rechtlich von Grund auf verankert.

Technische Säulen der Datensouveränität implementieren

Wahre digitale Souveränität erfordert eine technische Grundlage, die den rechtlichen Anforderungen gerecht wird. Der erste und wichtigste Baustein ist die ausschließliche Nutzung von Rechenzentren innerhalb der Europäischen Union. Dies stellt sicher, dass Daten dem europäischen Rechtsraum unterliegen und nicht der Jurisdiktion von Drittstaaten ausgesetzt sind. Geofencing auf Länderebene bietet eine zusätzliche Kontrollebene, um Daten in vordefinierten Regionen zu halten.

Darüber hinaus sind robuste Sicherheitsmaßnahmen unerlässlich, um die Datenintegrität zu gewährleisten. Eine Multi-Layer-Verschlüsselung, sowohl bei der übertragung (in transit) als auch im Ruhezustand (at rest), ist heute Standard. Ein entscheidender Faktor ist jedoch, wer die Schlüssel verwaltet. Liegt das Schlüsselmanagement in EU-Hand, bleibt die Kontrolle vollständig erhalten. Zertifizierungen wie ISO 27001, die über 100 Sicherheitskontrollen abdecken, validieren die Wirksamkeit dieser Maßnahmen. Ein ISO 27001 zertifiziertes Rechenzentrum ist somit eine Grundvoraussetzung. Neben dem Speicherort ist die Unveränderlichkeit der Daten entscheidend für den Schutz.

Resilienz durch unveränderlichen Speicher stärken

Ein zentraler Aspekt der Datensicherheit und damit der Souveränität ist der Schutz vor Manipulation und Zerstörung, insbesondere durch Ransomware. Moderne Angriffe zielen darauf ab, nicht nur Primärdaten, sondern auch Backups zu verschlüsseln, was die Wiederherstellung lähmt. Hier setzt unveränderlicher Speicher (Immutable Storage) mit S3 Object Lock an. Diese Technologie verhindert für eine definierte Frist jegliche änderung oder Löschung von Daten und schützt so vor über 90 % der gängigen Ransomware-Taktiken.

Die Vorteile dieser Technologie gehen über reinen Ransomware-Schutz hinaus und stärken die Compliance-Strategie eines Unternehmens. Die Implementierung von Object Lock bietet vier wesentliche Vorteile:

  1. Effektiver Ransomware-Schutz: Einmal geschriebene Daten können nicht mehr verschlüsselt oder gelöscht werden.
  2. Compliance-Sicherheit: Gesetzliche Aufbewahrungsfristen (GoBD, DSGVO) werden nachweisbar eingehalten.
  3. Audit-Fähigkeit: Die Integrität von Archivdaten ist jederzeit für Prüfungen gewährleistet.
  4. Schutz vor Fehlern: Versehentliche Löschungen durch Administratoren oder Skripte werden verhindert.

Ein DSGVO-konformer Objektspeicher mit dieser Funktion ist ein Kernstück moderner Resilienz. Doch technische Merkmale allein reichen nicht aus, wenn die Vertrags- und Kostenstrukturen die Kontrolle untergraben.

ökonomische Souveränität durch Kostenkontrolle zurückgewinnen

Digitale Souveränität umfasst auch die wirtschaftliche Kontrolle über die eigene IT-Infrastruktur. Versteckte Kosten, insbesondere unkalkulierbare Egress-Gebühren (Kosten für ausgehenden Datenverkehr) und API-Aufrufgebühren, führen zu einem Kontrollverlust über das IT-Budget. Viele Unternehmen sehen sich mit einer Kostensteigerung von 20 % bis 30 % allein durch diese variablen Posten konfrontiert. Ein transparentes Preismodell ohne diese Gebühren ist daher ein entscheidendes Kriterium für einen souveränen Cloud-Speicher.

Ein "Predictable by design"-Ansatz, der auf Egress-Gebühren, API-Kosten und Mindestspeicherfristen verzichtet, gibt Unternehmen die volle Planungssicherheit zurück. Diese ökonomische Vorhersehbarkeit ermöglicht es, IT-Ressourcen effizienter zu nutzen und das Risiko von "Bill Shock" zu eliminieren, der laut Studien über 80 % der Cloud-Nutzer betrifft. Die Wahl eines Anbieters für S3-Speicher in Deutschland sollte daher immer eine Prüfung des Preismodells beinhalten. Diese Vorhersehbarkeit ist besonders für Managed Service Provider ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Souveränität als Geschäftsmodell für Managed Service Provider

Für Managed Service Provider (MSPs) in Deutschland ist die Nachfrage nach souveränen Cloud-Lösungen eine strategische Chance. Sie können sich als vertrauenswürdige Partner positionieren, die ihren Kunden DSGVO-konforme und CLOUD-Act-freie Lösungen anbieten. Eine Whitelabel-fähige S3-Speicherplattform ermöglicht es MSPs, unter eigener Marke aufzutreten und "Backup as a Service" (BaaS) oder "Storage as a Service" (STaaS) mit kalkulierbaren Margen anzubieten. Der Wegfall von Egress- und API-Gebühren sichert dabei eine Marge von oft über 50 %.

Eine partnerfreundliche Plattform bietet dafür die nötigen Werkzeuge, wie eine mandantenfähige Verwaltungskonsole, Automatisierung per API/CLI und detaillierte Reporting-Funktionen. Die Verfügbarkeit über lokale Distributoren vereinfacht den Zugang und Support für hunderte deutsche Systemhäuser. Indem sie souveräne Lösungen anbieten, helfen MSPs nicht nur ihren Kunden bei der Einhaltung der Compliance, sondern stärken auch ihre eigene Position im Wettbewerb der deutschen Cloud-Anbieter. Die Grundlage für solche souveränen Dienste ist eine offene und kompatible Technologie.

Die Rolle offener Standards für Portabilität und Zukunftssicherheit

Ein entscheidender, oft übersehener Aspekt der digitalen Souveränität ist die Vermeidung von technologischem Lock-in. Offene Standards sind der Schlüssel zur Datenportabilität und damit zur langfristigen Handlungsfreiheit. Die S3-API hat sich als De-facto-Standard für Objektspeicher etabliert und wird von tausenden von Anwendungen, Skripten und Backup-Tools nativ unterstützt. Eine 100%ige S3-Kompatibilität stellt sicher, dass bestehende Investitionen geschützt sind und eine Migration ohne Code-Anpassungen möglich ist.

Diese Interoperabilität wird mit dem Inkrafttreten des EU Data Acts ab September 2025 noch wichtiger. Das Gesetz stärkt die Rechte der Nutzer auf Datenportabilität und soll den Wechsel zwischen Cloud-Anbietern erleichtern. Eine auf offenen Standards basierende Architektur ist somit nicht nur eine technische, sondern auch eine regulatorische Zukunftssicherung. Sie gewährleistet, dass Unternehmen die Kontrolle behalten und ihre Strategie zur Datenhaltung in Deutschland jederzeit anpassen können. Letztendlich geht es darum, eine zukunftssichere Entscheidung zu treffen, die Compliance und Kontrolle vereint.

FAQ

Was ist die Definition der Bundesregierung für digitale Souveränität?

Die Bundesregierung definiert digitale Souveränität als die Fähigkeit und Möglichkeit für Individuen und Institutionen, ihre Rollen in der digitalen Welt selbstständig, selbstbestimmt und sicher ausüben zu können. Ziel ist die Reduzierung technologischer Abhängigkeiten und die Stärkung der Kontrolle über eigene IT-Infrastrukturen und Daten.

Ist eine Cloud bei einem US-Anbieter mit Rechenzentrum in Deutschland souverän?

Nein, der reine Serverstandort in Deutschland oder der EU reicht nicht aus. Unterliegt der Anbieter der US-Gesetzgebung (z.B. dem CLOUD Act), können US-Behörden dennoch Zugriff auf die Daten verlangen. Echte Souveränität erfordert einen Anbieter mit Hauptsitz und Rechtsstand in der EU.

Welche Vorteile bietet ein Preismodell ohne Egress-Gebühren?

Ein Preismodell ohne Egress-Gebühren bedeutet, dass keine Kosten für den Abruf oder Transfer von Daten aus der Cloud anfallen. Dies schafft maximale Kostentransparenz und Planbarkeit, eliminiert das Risiko unerwartet hoher Rechnungen und fördert die Datenportabilität.

Was fordert der EU Data Act in Bezug auf Cloud-Anbieter?

Der EU Data Act, der ab September 2025 gilt, soll den Wechsel zwischen Cloud-Anbietern erleichtern und den Vendor-Lock-in reduzieren. Er fordert mehr Transparenz und Interoperabilität, was die Bedeutung offener Standards wie der S3-API weiter stärkt.

Wie können MSPs von souveränen Cloud-Lösungen profitieren?

MSPs können ihren Kunden DSGVO-konforme und sichere Storage-Lösungen anbieten und sich so vom Wettbewerb differenzieren. Whitelabel-fähige Plattformen mit transparenten Kostenmodellen ermöglichen es ihnen, eigene BaaS-Angebote mit planbaren, hohen Margen zu erstellen.

Ist eine 100%ige digitale Autarkie das Ziel?

Nein, das Ziel der digitalen Souveränität ist nicht die vollständige Abschottung oder Autarkie. Es geht um die bewusste Kontrolle über kritische Daten und Technologien, die Schaffung von Alternativen und die Fähigkeit, Abhängigkeiten dort zu reduzieren, wo Sicherheit und Handlungsfähigkeit auf dem Spiel stehen.

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